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Ein neues Jahr mit vielen Herausforderungen

In Kürze werden wir wissen, wie die Anbieter geschlossener Fonds das Jahr 2009 abschließen konnten. Die Katerstimmung nach Sylvester dürfte wohl etwas länger andauern. Viele gehen davon aus, dass sich der Gesamtumsatz aus 2008 halbiert hat. Warum eigentlich? Vereinfacht könnte man es damit begründen, dass sich die meisten Bürger zugeknöpft verhalten und weniger Geld für die Vorsorge ausgegeben haben. Damit wird zwar das Problem der Altersversorgung nicht gelöst, aber es steht mehr Geld zum Konsumieren zur Verfügung - in jedem Fall die angenehmere Alternative. Und ein Alibi ist auch schnell gefunden: immerhin prangert Verbraucherschutzministerin Aigner seit Monaten an, dass dem Grunde nach alle Formen der Geldanlage nichts taugen - warum also sollte man dann etwas tun? Das imaginäre Schwert der Altersarmut scheint sowieso nicht mehr zu ziehen, denn immer weniger gerade jüngere Menschen sorgen vor, obwohl die Rentenkassen immer ehrlicher werden und inzwischen nur noch von einer Grundversorgung sprechen.

Für Aigner selbst dürfte sich dieses Problem später sowieso nicht stellen, sie ist als Beamtin abgesichert. Dabei dürfte es in Anbetracht der Machtverhältnisse auch in Zukunft bleiben. Und der Verbraucher Bund gönnte der Stiftung Warentest - pünktlich zur Weihnachtszeit - stolze 50 Millionen Euro. Damit konnte sich Aigner auch ihren politischen Machtanspruch sichern. Worauf man auch in Zukunft achten muss, wissen wir damit also. Wie aber schafft es die Branche, mehr Glaubwürdigkeit und damit auch mehr Umsatz für sich zu erzielen?

Alleine so wie in den vergangenen Jahren sicher nicht, denn die verbandsseitig eingeführte Good Governance-Verpflichtung der Anbieter ist zumindest bei den Endverbrauchern nicht angekommen. Nach wie vor hält vermutlich das Gros der „Normalsterblichen“ die Anbieter von Kapitalanlagen als chronisch überbezahlt und analog zu den Bankern als Sinnbild einer Spezies mit verkommener Moral, die nur Gewinnmaximierung in den Vordergrund stellt. Das dem in der Regel nicht so ist, steht auf einem anderen Blatt. Mit dem Klischee muss die Branche dennoch kämpfen, da hilft es auch nicht, die Augen zu verschließen. Die wünschenswerte Wahrnehmung des Unterschiedes zwischen Anbietern von unternehmerischen Ideen, an deren Umsetzung sich Investoren beteiligen und davon partizipieren können und den globalen Geldspielen der Banken, die offenkundig nicht selten auf dem Rücken der Kunden ausgetragen werden, hat zumindest bislang noch nicht stattgefunden.

Was fehlt? Zum einen zeigt der Blick in andere Branchen - ich habe am Flughafen einige
Lifestyle-Magazine durchgeblättert -, dass die Anbieter von Kapitalanlagen immer noch nicht verstanden haben, die Medien zu unterstützen, die „pro domo“ schreiben. Damit ist nicht gemeint, dass diese Medien als billige Werbeblättchen missbraucht werden sollen. Warum aber sollte eine Publikation über eine Branche schreiben, die deren Arbeit nicht einmal durch entsprechende Anzeigen - neben den Abonnenten die wichtigste Einnahmequelle (!) - unterstützt? Angesprochene Lifestyle-Magazine jedenfalls überschlugen sich schier mit Anzeigen von Kosmetika und Modeartikeln, ohne die man offensichtlich nicht leben kann.

Zudem fehlt es an einer klaren Kommunikationsstrategie, die potentiellen Anlegern das zurück bringt, was sie offenkundig suchen: Sicherheit! Gemeinsam mit ausgewählten Partnern werden wir daher zu Beginn des Jahres mit einer Glaubwürdigkeitsoffensive starten, nicht nur als Lippenbekenntnis sondern mit klar formuliertem Anspruch. Wir nehmen dabei ernst, dass das chinesische Schriftzeichen für „Krise“ gleichzeitig auch für „Chance“ steht.

Ihr Michael Oehme







Börsenticker